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Neurofeedback und Biofeedback, was ist das eigentlich?

Im Prinzip erfährt jeder Mensch Bio­feedback schon beim Er­lernen des Laufens. Durch die Wah­rnehmung unserer Sinne spüren wir eine falsche Be­wegung und gewinnen so sukzessiv immer mehr an Sicher­heit, indem wir durch Rückmeldung ungünstiger Be­wegungen und Haltungs­muster eine stete Ver­besserung hin zu optimierter Anpassung vornehmen können. So meldet z. B. der Gleich­gewichts­sinn eine un­günstige Position der Achse des Körpers, wenn dieser plötzlich in eine ve­ränderte Lage ge­rät. Normale­rweise tritt nun in Ver­bindung mit anderen Sinnen eine schnelle Korrektur der Haltung des Körpers ein.

Ein anderes Beispiel für das eigene Bio­feed­back: Reicht z. B. die Kraft der Hand­musku­latur nicht aus, um ein Glas zu heben, spüren wir dies, indem uns das Glas wieder aus der Hand gleitet. Er­höhen wir deshalb die hierfür notwendige Musel­aktivität, halten wir das Glas nun fest in der Hand. Wir nehmen so aktiv Einfluss auf unser Ver­halten, weil wir die Para­meter der nötigen Pro­gramme ent­sprechend kennen und ein­stellen können. Viele Vor­gänge in unserem Körper lassen aber keine be­wusste Steuerung und Einfluss­nahme zu. Viele andere Vorgänge, wie z. B. das Vor­handen­sein unserer Gehirn­wellen, lassen sich nicht einmal durch unsere Sinnes­organe wahr­nehmen. Dadurch wissen wir nicht, ob und wo unser Gehirn zu viel oder zu wenig Gehirn­wellen produziert. Es ist bekannt, dass depressive Menschen oftmals links­frontal zu viel Alpha-Frequenz produzieren. Jedoch ist der Mensch nicht fähig, dies zu spüren und weiß nicht, wie er die Aktivität von Alpha­wellen in diesem Hirn­areal unterdrücken soll, um seinen Zu­stand zu verbessern. Uns fehlt dazu schlichtweg die Wahr­nehmung, weil die ent­sprechenden Sinnes­organe nicht vorhanden sind. Der enorme technische Fortschritt in den letzten Jahren ermöglicht es, Hirnwellen sichtbar und damit be­ein­fluss­bar zu machen. Da nun auch unsere Sinne beteiligt sind, können Lern­prozesse ein­geleitet werden, die eine ge­zielte Veränderung einer Regulations­störung herbeiführen können.

Die Geschichte des Neurofeedback

Wie viele Erfindungen, die von Menschen erdacht wurden, so ist auch das Neuro­feedback dem Zufall zu verdanken. Jedoch waren hierfür zunächst die Ent­deckung der Wellen­aktivität des menschlichen Gehirns nötig. Hans Berger war in den dreißiger Jahren des vorigen Jahr­hunderts der Erste, der mittels eines von ihm entwickelten „Elektro­enzephalo­graphen“ die rhythmische Aktivität der Alpha-Wellen ausfindig machte. Erst in den sechziger Jahren kam es jedoch durch die Experimente von Joe Kamya zu ersten Anwendungen von Neuro­feedback. Es war Barry Sterman, welchem der Ruhm zusteht, als erster die positive Wirkung von Neuro­feedback erforscht zu haben. Als er gerade an Katzen deren senso­motorischen Rhythmus (SMR) er­forschte und diesen auch an ihnen trainierte, bekam er von der NASA den Auftrag, ein Treib­stoff­gemisch der Raketen­forscher auf dessen Wirkung in Bezug auf epileptische An­fälle zu unter­suchen. Die Katzen, diesem Stoff aus­gesetzt, ent­wickelten meist schon nach kurzer Zeit typische An­zeichen epileptischer Hirn­aktivität. Nicht so jene Katzen, die vorher SMR-Training erhielten. Sie waren um ein Viel­faches resistenter und beinahe immun gegen­über diesem für das zentrale Nerven­system (ZNS) schädlichen Einfluss.

Der Lernprozess beim Neurofeedback

Die Nervenzellen und deren Aktivität

Unser Gehirn ist ständig in irgend­einer Weise elektrisch aktiv. Nerven­zellen feuern Impulse und an den Synapsen werden diese Impulse weiter­gegeben oder gehemmt. Ein steter Reigen aus Exzitation und Inhibition ist die Folge. Dabei ist er­staunlicher Weise die Meh­rheit der nervösen Aktivität der Groß­hirn­rinde durch Inhibition gekenn­zeichnet. Synapsen sind in Ihrer elektrischen Eigen­schaft Dipole. D.h. sie können elektrisch als Plus- oder als Minus­pol auftreten. Dadurch wechseln sie ständig ihre Ladung. Nun gibt es Dipole, welche sich öfter sich auf- und ent­laden und solche, welche sich seltener auf- und entladen. Diese Aktivität ist ganz abhängig davon welches Aktivations­niveau gerade erreicht ist, oder verlangt wird. So nimmt im Schlaf eindeutig die langsame Di­pol­aktivität zu, während im Wach­zustand viel schnellere Ladungs­zyklen ablaufen. So erklärt sich der Begriff der Gehirn­wellen, bzw. der Gehirn­frequenzen. Ein relativ langsamer Ladungs­zyklus ist z. B. der bekannte Alpha-Rhythmus. Dieser wird von Synapsen produziert, welche ca. acht bis zwölf mal pro Sekunde ihre Ladung verändern. Der Alpha-Zustand ist ein aus­gesprochen ent­spannender Zustand und wird auch noch stärker, sobald wir die Augen schließen. Vermehrte Aktivität von Theta (4-7 Hz) tritt z.B. auf sobald die Ent­spannung zunimmt und in Schlaf übergeht. Höhere Frequenzen finden sich Wach­zustand, diese sind im Bereich von 12 bis 20 Hz angesiedelt.

Quantitative Untersuchungen des EEG-Spektrums

Die ersten von J. Kamya, J. Lubar und B. Sterman durchgeführten Neuro­feedback­therapien hatten zum Ziel bestimmte Anteile des Frequenz­spektrums zu erhöhen oder zu ver­mindern. Doch woher wussten Sie welche An­teile z.B. verstärkt werden müssen? Ausschlag­gebend dafür war die Unter­suchung von normaler und nicht normaler Hirn­aktivi­tät mittels EEG. So stellten sie fest, dass z. B. bei Patienten mit AD(H)S besonders hohe Aktivität von Theta nach­zuweisen war, während bei den nicht be­troffenen Patienten der dominate Rhythmus im Bereich von Alpha liegt. Die Vermutung lag nahe, dass das vermehrte Auf­treten von Theta im Wach­zustand womöglich als Ursache für be­kannten Kon­zen­trations­störungen in Frage kommen könnte.
Eine Ver­ringerung der Theta-Feldstärke mit gleich­zeitiger Erhöhung der Beta-Frequenz müsse demnach auch zu Ver­besserungen in der Kon­zen­tration führen. Und in der Tat: Die Ergebnisse bestätigten, dass ein Heruntertrainieren von Theta, als auch ein Erhöhen von Beta zu den gewünschten Ergebnissen in der Kon­zentration und im Verhalten führte. Diese Ver­änderungen waren dauer­haft, sobald eine aus­reichende An­zahl von Trainings­sitzungen durch­geführt wurde.

Wie funktioniert das Neuro­feedback-Training von bestimmen Hirn­frequenzen?

Um die Aktivität von Hirn­wellen in eine ge­wünschte Richtung (mehr oder weniger davon) zu trainieren ist vor allen Dingen mittels operantem Kon­di­tionieren möglich. Das operante Kon­di­tionieren ist im Prinzip die Basis von allen Bio­feed­back­verfahren, wie auch dem Neuro­feed­back.

Es ist auch das Kern­instrument der klassischen Verhaltens­therapie: Positives Ver­halten wird belohnt und damit ver­stärkt. Negatives Ver­halten wird ignoriert und eben nicht belohnt. Auf diese Art und Weise ist die Auf­tretens­wahr­scheinlich­keit von positiver Verhaltens­weise deutlich erhöht und es kommt zu einem Zuwachs von positivem Verhalten.
Was diesem Mechanismus zugrunde liegt, ist das im Gehirn ver­anlagte Belohnungs­zentrum. Wichtig ist im Prinzip nur, dass jedwede Be­lohnung als positiv empfunden wird. In der Verhaltens­therapie ist dies meist ein verbales Lob oder ein so­genanntes Token. Die Freude über die B­elohnung scheint die be­lohnte Person automatisch an­zu­spornen sich weiter für Belohnungen einzusetzen. Das Gehirn hat im Prinzip nur die Möglichkeit Reize entsprechend zu interpretieren, ohne dass jedoch das Bewusstsein mit beteiligt ist.
Wie aber lernt jetzt das Gehirn, was ist für das Gehirn selbst eine Belohnung, wenn es das überhaupt geben kann?
Schwellen überschreiten - Schwellen unter­schreiten - alles nur eine Frage des "drunter und drüber".
Beim Neuro­feedback geschieht zunächst nichts weiter als dass wir elektrischen Strom messen. Ströme im millionstel Volt Bereich, werden entlang der Kopf­haut mittels Elektroden gemessen. Ein Verstärker leitet diese Signale an einen Computer weiter, wo sie bestimmten Be­dingungen ausgesetzt sind.
Das Computer­programm legt anhand von Schwellen­werten fest, welche Frequenz­bänder ver­stärkt und welche ignoriert werden. Der Neuro­feedback-Therapeut kann aber auch anhand einer Base­line die Werte für diese Schwellen selbst fest­legen (Protokoll).
Worin besteht nun die Be­lohnung und wie funktioniert diese Be­lohnung und führt zu einer Ver­änderung?

Ein Beispiel: Es soll Beta 12-15 Hz erhöht werden, Theta gesenkt und hohes Beta ebenso gesenkt werden.
Die Bedingung lautet: immer wenn alle Kriterien er­füllt sind, gibt es eine Be­lohnung, im Falle von Neuro­feedback spricht man eher von einem Be­lohnungs­reiz. D. h. erst dann wenn die Frequenz­aktivität gleich­zeitig ober­halb der erwünschten Frequenz­schwelle liegt und unter­halb der unerwünschten Frequenz­schwellen, gibt der Computer ein be­stimmtes vorher fest­gelegtes Signal von sich. Dies kann ein einfacher Piepston sein, ein Summton, eine animierte Figur auf dem Bild­schirm reicht dazu ebenso.
Dr. Siegfried Othmer Wissen­schaftler bei EEG-Info erklärt dies so: Durch sein Belohnungs­zentrum ist das Gehirn sozusagen auf Be­lohnung programmiert. Hinzu kommt, dass das Gehirn wo­möglich über eine weitere Kommunkations­schnitt­stelle verfügt, welche es ihm ermöglicht Information, die mit seiner eigenen Aktivität in Beziehung stehen zu ver­arbeiten und miteinander zu verknüpfen. D. h. das Gehirn erfährt beim Neurofeedback (indem es unmittelbar erfährt ob es bestimmte Schwellen erreicht oder nicht) Information über seine eigene Aktivität und ist a priori bereit dar­über mit sich selbst in Kommunikation zu treten.
Die Be­lohnungen beim Neuro­feedback erfolgen so un­mittelbar, dass es für das Gehirn im Grunde gar keine Wahl gibt: es muss darauf reagieren. Dieser Umstand macht die Therapie auch bei schwerem Autismus und Asperger-Syndrom möglich.

Ziel des Neuro­feedback

Gehirne sind in Ihrer Komplexi­tät wunder­volle Instrumente. Sie ermöglichen uns Flug­zeuge zu bauen, den Genuss eines spannenden Buches, sowie die Freude über die schönen Dinge des Lebens. Aber dieses Hi-Tech-Organ scheint auch seinen Preis zu haben. Es ist anfällig gegen­über einer Viel­zahl von Störungen, und es kann darauf sehr empfindlich reagieren, wie dies immer wieder deutlich beim Phänomen Stress her­vor­tritt.

Diese Vulnerabilität stellt zugleich auch eine der großen Ge­fahren für die Gesundheit des Individuums dar. Man denke nur an die Zu­nahme stress­bedingter Krankheiten, wie Depression, Angst- Herz- Kreis­lauf­er­krankungen und Schlaf­störungen.
Gehirn­training mittels Neuro­feedback soll dem Gehirn nicht irgend ein starres Programm ausführen lassen. Vielmehr soll es ihm helfen mit mehr Stabilität aber auch mehr Flexibilität auf die vielfältigen Ein­wirkungen reagieren zu können.
Nun reicht es aber nicht aus dieses Training einmalig durch­zu­führen, denn erst viele Wieder­holungen führen auch zu lang an­dauernden Er­folgen. In der Regel sind 20-40 Sitzungen aus­reichend. Die Erfolge sind auch über einen längeren Zeit­raum stabil, denn das Gehirn hat ein neues Verhalten gelernt.